Kuhsprache lernen. Sami muht die Kühe an. Ich glaube, das haben sie nicht verstanden. Auch meine Kameralinse kommt ihnen komisch vor. „Kühe haben keine Mimik und verstehen auch unsere daher nicht,“ erklärt uns Wilhelm, Landwirt der Bioranch Zempow. Eine ruhige, bestimmte und freundliche Körpersprache aber, die kann verstanden werden. Sami will es noch mal versuchen und wagt sich vom sicheren Kremser, unserem Safari-Trecker, hinunter, mitten rein in die Herde. Ein, zwei Versuche sich der Kuh zu nähern scheitern. Dann aber lässt sich ein Tier streicheln. Das spornt auch andere Jungs an, Philip und Jamschid zieht es auch unter die Rinder. „In der Herde kommt man schnell zur Ruhe, Kuhsprache lernen heißt gewaltfreie Kommunikation zu üben. Die Tiere nehmen war, was du ausstrahlst, auch wenn du versuchst, es zu verbergen. Das wichtigste bei uns Lebewesen ist ein respektvoller Umgang miteinander“, versucht Wilhelm uns nahezubringen. Auf der Bioranch Zempow wird die Tierhaltung neben ökologisch auch nach der Methode „Low Stress Stockmanship“ betrieben, das bedeutet stressarmer Umgang mit Herdentieren.
Die Rinder stehen in Zempow nicht im Stall, sondern auf der Weide: Sie werden nicht zur Milchherstellung gehalten, sondern zur Fleischerzeugung. So kann die Bodenfruchtbarkeit verbessert werden denn die Kuhfladen sind Stickstoffdünger. Eine ausgewogene Fruchtfolge statt Monokulturen hilft auch weiter. Wir waren mit einem Drittel der Green Summer Camp Gruppe hier auf Exkursion um „green jobs“ kennenzulernen. Auf der Ranch wird auch Nutzhanf angebaut, für Tee, Öl und als Dämmstoff. Die weiten grünen Hanffelder wecken das Interesse und diejenigen auf, die über etwas viel Vortrag und aufgrund der gestrigen langen Nacht wieder eingenickt sind. Für das Klima ist es wichtig, dass möglichst lange im Jahr etwas wächst. „Wir brauchen eine Landwirtschaft, die Kohlenstoff in den Boden bringt. Eine gesunder Boden hält auch Wasser und kann es in Trockenzeiten wieder abgeben. Nur 5% mehr Photosynthese würde reichen, um den gesamten CO2-Ausstoß der gesamten Automobil-Industrie zu kompensieren“, so Wilhelm. Grüne Äcker sollte es also geben, nicht braune. „Carbon Farming“ ist das Stichwort.
Zum Schluss durften alle noch einen Strauß Hanfblätter pflücken und ab gehts zum Baden zurück nach Flecken Zechlin.